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Oswald Oberhuber "ich bin noch immer da"
Wenn Oswald Oberhuber Geburtstag hat, verschwindet er und Retrospektiven passen genau so wenig zu seinem Leitsatz der „Permanenten Veränderung“ wie die Vorstellung von einem Alterswerk, aber seine Bilder, Collagen, Skulpturen sind nicht nur „noch immer da“; sie werden Moden und Trends überdauern, weil sie nie danach ausgerichtet waren. Im Gegenteil, meist hat er seine Dinge gemacht, bevor sie zum Trend wurden, um dann schon längst das nächste Neue anzugehen. Dabei ging Oswald Oberhubers Einfluss auf die Kunst weit über den nationalen Rahmen hinaus. 1949 hat er die informelle Plastik erfunden, bereits in den Sechzigern hat er multimediale antikünstlerische Konzepte verwirklicht, angefangen von einem Lautsprecherstück über die Oberhuberzeitung bis zu Ausstellungen wie „Die leere Galerie“ oder „Kunst ohne Künstler“. In Zeichnung, Malerei und Skulptur negiert er seit seinen Anfängen zeitbedingte Moden, seien sie abstrakt oder figürlich. Mit virtuoser Leichtigkeit erfindet und benutzt er sein eigentümliches Kaleidoskop der Darstellungsformen, das Elemente der Popart ebenso enthält wie Monochromes, Surreales, Flächig-Strenges, Verspielt-Pastelliges, immer wieder auch Geschriebenes.
Bei Oswald Oberhuber lässt sich kein Alterswerk feststellen, weil er sich generell nicht feststellen lässt. „Alterswerk gibt es nicht,“ sagt er, „jeder, der meine Arbeiten sieht, egal aus welcher Periode, meint, sie müssten von irgendeinem Jungen sein.“ Oberhuber glaubt nicht an Stilzuordnungen, an Entwicklung und Fortschritt in der Kunst. Aus diesem Geist heraus formulierte er Mitte der Fünfzigerjahre seine Theorie der „Permanenten Veränderung in der Kunst“: Ein Abgehen von Stringenz, ein Zulassen von Vielfalt, eine postmoderne Haltung lange vor der Postmoderne; aber über die Postmoderne hinaus gibt er die klassische Avantgardeforderung der Utopie nie auf, nicht in der Kunst, wo er einen absoluten Qualitätsanspruch stellt, nicht in seinen vielfältigen kunstkontextuellen Tätigkeiten.
Chaos und Harmonie
Die „Permanente Veränderung“ als Freiheit von Stilzwängen wurde grundlegend für Oberhubers prinzipielle Anerkennung individueller Freiheit, darin geht er auch über Foucault hinaus, mit dessen Philosophie sich sein Absehen von Entwicklung und Fortschritt deckt. Für den Philosophen gibt es keine Entwicklung zum Besseren, sondern nur einen von Brüchen gekennzeichneten Wandel im Rahmen zeitbedingter, willkürlicher Diskurse. Der daraus sich ergebenden, von vielen kritisierten, sozialen Relativität begegnet der Künstler Oberhuber mit der Vielfalt eines kreativen Nebeneinanders, das Freiheit erst lustvoll werden lässt.
Eine Retrospektive hat da freilich wenig Sinn, und Oberhuber lässt auch keine gelten, höchstens jene zu seinem 75. Geburtstag 2006 in der Wiener Secession mit dem Titel: „Der ewige Prozess der Geburt.“ „Diese Ausstellung“, meint er, „war ein Teilbereich um eine gewisse Einheit zu zeigen – diese chaotischen Abläufe meiner selbst.“ Und in der für sein Denken so typischen Universalität fügt er hinzu: „Es ging nicht um mich, sondern um einzelne Probleme, das war stimmig, das hat aufgeregt, und angeregt. Durch Chaos Harmonie zu erreichen!“
Ein österreichischer Geistesmensch
Über seine eigenen Werke zu referieren, vermeidet der Professor gerne, da behält er sich seinen chaotischen Freiraum der Intuition. Auf seine Bedeutung für das österreichische Kunstgeschehen angesprochen meint er, dass es dabei nicht um ihn als Künstler ginge, sondern um seine Arbeit als Ausstellungsmacher, als Kulturpolitiker, als Rektor. Von seinem weitreichenden Wirken sei exemplarisch herausgehoben, dass er beispielsweise schon 1971 Josef Beuys und Andy Warhol zu Ausstellungen in die Galerie nächst St. Stephan geholt hat; dass er schon 1979, als einer der Ersten, ein Konzept für ein Museum der Moderne am Areal des heutigen Museumsquartiers ausgearbeitet hat.
Mit großen Ausstellungen erweiterte er die Sichtweise auf die österreichische Kunst, unter anderem 1984 mit „Abbild und Emotion“, im Museum für angewandte Kunst, Wien, wo erstmals die realistischen Maler der Zwischenkriegszeit umfassend vorgestellt worden sind; 1993 mit „Wille zur Form“ im ehemaligen Wiener Messepalast, wo der abstrakten Moderne aus den Ländern der ehemaligen Österreichisch-Ungarischen Monarchie die längst fällige Gesamtschau zuteilwurde. Er war einer der Ersten, der die Auswirkungen nationalsozialistischer Repressionen auf das österreichische Geistesleben aufgearbeitet hat; so 1985 mit der Ausstellung „Die Vertreibung des Geistigen aus Österreich“ in Wien und Salzburg oder 1988 mit „Zeitgeist wider den Zeitgeist“ in Wien.
Am bedeutsamsten für Oberhuber selbst war seine Zeit als Rektor der Wiener Universität für angewandte Kunst. Er hat Beuys, Lagerfeld, Jil Sander, Sottsass, Immendorff, Spoerri, Bazon Brock nach Wien gebracht und meint dazu: „Eliteuniversitäten, die heute angepeilt werden, sind ja nicht erreichbar, indem man eine Eliteuniversität macht, sondern indem man die Elite herbeiholt, und die Elite geht dorthin wo bereits Elite ist. Es waren alle gerne da, auch weil sie sich freier bewegen konnten, nicht in ein starres Schulsystem eingebunden waren, das ja eigentlich nervt, wo ja eigentlich nichts raus kommt.“ Nicht vordergründig durch pekuniäre Mittel, sondern durch die für Oberhuber typische Toleranz, gepaart mit seiner Fähigkeit anzupacken, einzugreifen, zu verändern wurde aus der Hochschule für angewandte Kunst eine Universität von internationalem Format.
Nein, ein Geburtstag sagt nicht viel aus, auch die positivsten gesellschaftlichen Bestrebungen sind zeitgebunden, die Werke jedoch haben Bestand. Sie entfalten Eigenleben, vermögen die Betrachter mehr und mehr zu erfreuen, gerade weil sie sich Einordnungen und Zuordnungen widersetzen, gerade weil sie nicht aus artifizieller Routine, sondern immer neu aus genialer Intuition entstanden sind. Die Ausstellung der Galerie Altnöder in Salzburg bietet, über den erfreulichen Rahmen eines Jubiläums hinaus, Werke eines alten, eines jungen, eines zeitlosen Künstlers.
Ursula Riederer
Literatur:
Pressetext
Pressespiegel
14.1.2011, Vernissage Galerie Altnöder, RTS Salzburger Regionalfernsehen
17.1.2011, "noch immer da - und wie" Oswald Oberhuber/ Galerie Altnöder, drehpunktkultur (Reinhard Kriechbaum)
20.1.2011, "Oswald Oberhuber - ich bin noch immer da. ICH mach dies - ICH mach das, weiterhin und sowieso", artmagazine.cc (Stephan Maier)
23.1.2011, 9:05 Uhr ORF a.viso "Oswald Oberhuber. Ich bin noch immer da" (02:16 min)
Do, 24.2.2011 "Für immer zeitlos" Der Standard Galerienspiegel (Gerhard Dorfi)
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Oswald Oberhuber | BLUME | Öl auf Leinwand | 80 x 80 cm | 2006 | € 9.700,-
Oswald Oberhuber | DIE FREUDEN DER SÜNDE | Öl auf Leinwand | 60 x 60 cm | 2010 | € 7.200,-
Oswald Oberhuber | WOHIN | Öl auf Leinwand | 50 x 60 cm | 2010 | € 6.600,-
Oswald Oberhuber | Ohne Titel | Öl auf Leinwand | 70 x 70 cm | 2009 | € 8.400,-
Oswald Oberhuber | MOND UND MOND | Öl auf Leinwand | 80 x 80 cm | 2009 | € 9.900,-
Oswald Oberhuber | Ohne Titel | Mischtechnik auf Papier | 64,5 x 50 cm | 2010 | € 2.400,-
Oswald Oberhuber | ROTER GARTEN | 50 x 60 cm | Öl auf Leinwand, | 2010 | € 6.600,-
Fotos: Galerie Altnöder |
Galerie Altnöder, A-5020 Salzburg, Sigmund Haffner-Gasse 3/1. Stock, Di-Fr 14.30-18 Uhr, Sa 10-13 Uhr |
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