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Maria Bussmann
Für Maria Bussmann ist Zeichnen die direkteste Art, Bildideen aus dem Kopf auf ein Blatt Papier, also ins Zweidimensionale zu bringen. Ihre Arbeit könnte man als „philosophisches Zeichnen“ beschreiben. Die promovierte Philosophin lässt sich von Werken wie Ludwig Wittgensteins Tractatus, Spinozas Ethik oder Texten Martin Heideggers und Maurice Merleau-Pontys inspirieren. Dazu entstehen Zeichnungen, die Wahrnehmungen subtil und skizzenhaft in die Sichtbarkeit übersetzen.
In unserer Ausstellung "praying projekt 2" im November/Dezember 2009 zeigte Maria Bussmann u.a. Arbeiten zu Martin Heideggers "Sein und Zeit" sowie meterlange Zeichnungen auf schmalen Kassarollen zu Rom, New York und Weihnachten.
Biografie
Ausstellungen in Österreich, Deutschland, Schweiz, Frankreich, Italien, USA (Auswahl)
2003 Winter Selection, Drawing Center, (NY) 2007 "In a Series", The temporary Museum, Williamsburg, Brooklyn, (NY) 2007 "ART AUSTRIA II", Gruppenausstellung, Galerie Altnöder Salzburg 2008 "de natura", Gruppenausstellung, Galerie Altnöder Salzburg 2008 "klein + fein", Gruppenausstellung, Galerie Altnöder Salzburg 2010 "Lebt und arbeitet in Wien III", Kunsthalle Wien (A)
Bruno Gironcoli zu Maria Bussmann
Ich habe Maria Bußmann hier in der Bildhauerschule das erste Mal vor rund zehn Jahren getroffen und sie zeigte mir ein paar skulpturale Arbeiten, deren Syntax mir wirklich interessant erschien. Es waren dies aus einfachsten Materialsorten kombinierte und in ungewöhnlichen Materialqualitäten gefertigte Ausdrucksversuche im Mini-Themenbereich. Es waren da zu finden: ein kleines Bett für eine Maus, eben groß genug für eine Zimmermaus, der menschlichen Vorstellung, wie ein Bett auszusehen hat, trefflich abgerungen, aber aus dünnen Messingröhrchen gebogen. Das Plumeau für die Maus waren eingenähte Papier-Daunen. Das Bett der Maus wurde übertroffen von einem in normaler Löt-Arbeit gefertigten Fußballstadion. Das Stadion wurde übertroffen von einem Wettkampf-Schwimmbecken mit vier Bahnen und aus Papier und Pappdeckel ausgeschnittenen rosarot angestrichenen Kampfschwimmern, jeder seine Bahn ziehend. Alles Arbeiten, die von so interessanter Materialwahl geprägt ihr formales Dasein einnahmen, dass man den Eindruck absoluter Selbständigkeit der Objekte hat. Auf meine Frage, ob denn solche Arbeiten technische Zeichnungen voraussetzten, habe ich später von Bußmann Zeichnungen zu sehen bekommen, die wohl ganz interessant waren, doch keine Werksunterlage zu den bildhauerischen Arbeiten abgegeben haben. Die Qualität dieser Blätter war ihre selbständige grafische Ausführung. Es gab in ihnen zwei Formen einer grafischen Strategie: einmal zeigte sich Bußmann als die Sucherin ihrer persönlichen Daten und Qualitäten, in der zeichnerischen Gattung von Cartoons in weiblicher Ausschmückung, die zweite Art, ihre Zeichnungen zu gestalten, war eine strukturschaffende Zeichenform, eine Strukturqualität neben eine andere Strukturqualität stellend, entweder in formaler Zwietracht oder Eintracht. In dieser Form der strategisch verwendeten Schraffierung entstanden Zeichnungen (Formaufgaben) recht weit reichender Formgebungen. Und wo die Blätter in dieser Form-Aufgabe zur Ausführung kamen, schien mir deren Struktur an sich bereits genügend zeichnerische Qualität zu bergen, die – würde sie für sich allein genommen – ein Werk schaffen könnte, das malerisch und grafisch sich selbst trägt. Leider war damals, vor zehn Jahren, Maria Bußmann nicht der Meinung, dass solches genügen könnte, ihre Selbstdarstellung als ein Abzeichnen in Schablone innerhalb der Schablonenwelt waren ihr da zu wichtig. In neuerlich von ihr gestalteten grafischen Blättern konnte ich plötzlich jene Symbiose, von der ich träumte, eine Verbindung von Strukturelementen mit persönlichen Daten und Ausdruckswünschen sehen. Diese Blätter, die sie aus New York mitbrachte, waren differenziert, sensibel, reich gestaltet – gespeist durch persönliche Mythologie, durch Philosophisches und diese Daten waren grafisch erfasste und strukturell gefiltert wiedergegeben. Eine Verbindung war hergestellt. Diese Strukturen werden ja hochinteressant – wenn es Maria Bußmann gelingt, Persönliches in sie hineinzuschaukeln, dann hat sie gewonnen.
Bruno Gironcoli, Bildhauer, Leiter der Bildhauerschule der Akademie der bildenden Künste in Wien von 1977 - 2004
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Maria Bussmann | Bergbach | Aquarell/Draht/Papier | 27 x 16 x 7 cm | 2006 | € 2.200,-
Maria Bussmann | Ewiges Rom | Kassazettelrolle (cash register roll) | 2009 | 7,5 x 1200 cm | © M.Bussmann (Ausstellungsansicht)
Maria Bussmann | Sierra Nevada | Aquarell/Papier/Draht | 8 x 15 x 24 cm | 2007 | € 2.200,-
Maria Bussmann | Gefrorener Teich | Papierobjekt | Aquarell/Papier/Draht | 9 x 16 x 23 cm | 2009 | € 2.200,-
Maria Bussmann | Ohne Titel, zu Heidegger "Sein und Zeit, 1926/27" | weißer Farbstift | 2009 | © M.Bussmann | € 660,-
Maria Bussmann | Neuschnee | Bleistift, Farbstift auf Papier | 2004 | © M.Bussmann | € 660,- |
Galerie Altnöder, A-5020 Salzburg, Sigmund Haffner-Gasse 3/1. Stock, Di-Fr 14.30-18 Uhr, Sa 10-13 Uhr |
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