Galerie Altnöder

"Denker! Maler!"

Josef Karl Rädler

 

20. Juli bis 14. September 2013

 

 

Aufgrund eines sensationellen Dachbodenfundes bieten wir zum zweiten Mal Werke von Josef Karl Rädler an.

 

Rädler (1844-1917) nannte sich „Hofmaler von Österreich, Italien und Siam”, auch „lachender Philosoph” und „Menschheitsapostel”. Er war ab seinem 50. Lebensjahr in „Irrenhäusern”, wie sie damals noch genannt wurden, weggesperrt. Rädler war Pazifist, predigte eine gesunde Lebensweise und zeichnete unermüdlich. Fünfzig Jahre nach seinem Tod wurden um die 850 seiner Bilder vom Müll gerettet.

 

Josef Karl Rädler wurde in Böhmen geboren und kam im Alter von 23 Jahren nach Wien, wo er als Porzellanmaler die international tätige und hoch angesehene Firma Rädler & Pilz gründete. 1893 ließ ihn seine Familie wegen „Stimmungsschwankungen”, „ruiniöser Geschäfte” und anderer fragwürdiger Vorwürfe hospitalisieren. Zuletzt wurde Rädler nach Mauer-Öhling bei Amstetten verlegt, eine der modernsten Irrenanstalten der damaligen Zeit. In den Anstalten begann Rädler mit Tempera, Aquarell und Tusche auf Papier zu zeichnen. Die Vorderseite seiner Bilder zeigen Szenen aus dem Anstaltsleben, Gruppenbilder, Portraits oder Landschaften. Die Rückseite schmückte der Künstler meist mit Sprüchen über ein gesundes Leben, über „gleiche Rechte für Frauen”, über Frieden und andere „Spinnereien”.

 

Über 850 seiner Blätter wurden in den 60er Jahren bei Renovierungsarbeiten in der Anstalt in Mauer-Öhling in der Mülltonne entdeckt. Psychiater Prof. Leo Navratil, der mit den Künstlern aus Gugging Weltruhm erlangte, publizierte Rädler erstmals im Rahmen einer Ausstellung des Niederösterreichischen Landesmuseums in Wien 1994.

 

Heute sind Rädlers Bilder weltweit in Sammlungen vertreten, von St. Pölten (N.Ö. Landesmuseum), über London (Welcome Collection, Museum of everything), Wien (Wien Museum) bis Paris und New York. Schon bei der ersten Verkaufsausstellung in unserer Galerie 2010 stieß das Werk Rädlers auf großes, auch internationales Interesse.

 

Ausstellungseröffnung & Lesung: 20. Juli, 11 Uhr

Der Schauspieler, Autor und Regisseur Bernd Jeschek trägt Texte aus den Bildern von Josef Karl Rädler vor.

Die Galerie ist an diesem Tag im Rahmen des Festes zur Festspieleröffnung von 11-17 Uhr geöffnet.

 

 

 

Link

 

Text zu Josef Karl Rädler auf Englisch

 

 

 

Pressespiegel Ausstellung 2010:

 

FAZ, 7.8.2010: Galerienrundgang Salzburg (Brita Sachs)

drehpunktkultur, 6.8.2010: "Herr Rädler erklärt uns die gute Welt" (Reinhard Kriechbaum)

 

 

Literatur

 

Leo Navratil: Josef Karl Rädler (1844-1917). Niederösterreichisches Landesmuseum, Wien, 1994. Das maßgebliche Katalogbuch zum Künstler erschien zu einer Ausstellung im niederösterreichischen Landesmuseum in Wien, 1994.

 

Luke Heighton: Josef Karl Rädler. In: Gemma Blackshaw/Leslie Topp im Auftrag des Wien Museums: Madness & Modernity. Kunst und Wahn in Wien um 1900. S. 14, 112-119, mit 7 Abbildungen, Christian Brandstätter Verlag, Wien, 2009. Das Buch erschien anlässlich der gleichnamigen Ausstellungen in der Welcome Collection, London, 2009, und im Wien Museum Karlsplatz, 2010.

 

Ferdinand Altnöder: Josef Karl Rädler. Der „Hofmaler von Österreich, Italien und Siam“. In: vernissage, Juni – August 2010, 30. Jg., Heft 293, Brod Media GmbH, Wien, 7 Abbildungen.

 

Brian Sewell: Josef Karl Rädler. In: James Brett (Hg.): The Museum of Everything. Mondadori Electa SpA, Mailand 2010, S. 220 mit 1 Abbildung, dazu 6 Abbildungen S. 126f.

 

Zur Baugeschichte der Anstalt in Mauer-Öhling, wo Rädler viele Jahre verbrachte:

Koller-Glück, Kunerth, Zdrazil: Carlo von Boog und Mauer-Öhling. Die Kaiser Franz Joseph-Landes-Heil-und Pflegeanstalt Mauer-Öhling. Ein Jugendstiljuwel in Niederösterreich. Niederösterreichisches Pressehaus, St. Pölten – Wien, 1988.

Eine Dissertation mit neuesten Forschungsergebnissen von Peter H. Kunerth ist in Vorbereitung.

raedler_selbst

 

Josef Karl Rädler | Mein Selbstporträt | 1911 |

Tempera, Aquarell auf Papier | 43 x 28,8 cm |

unverkäuflich

 

Die Bilder zu unserer Ausstellung sind ab 15.7.2013 auf dieser Webseite abrufbar!

 

Die Farben von Rädlers Bilder sind frisch. Da sie vom Müll gerettet wurden und hundert und mehr Jahre alt sind, sind eltiche Bilder an den Rändern bestossen, leicht geknickt, weisen kleine Einrisse auf, die Farben sind stellenweise brüchig, manche Bilder weisen kleine Fehlstellen auf. Die einmalige Wirkung der Bilder wird dadurch nicht beeinträchtigt.

 

Galerie Altnöder, A-5020 Salzburg, Sigmund Haffner-Gasse 3/1. Stock, Di-Fr 14.30-18 Uhr, Sa 10-13 Uhr, Kontakt